Direkt zum Inhalt

"Asphodelaceae" oder "Affodillgewächse" - Botanicals Next Step

"Aloe" und "Aloe Vera"


Sie ist eine der ältesten bekannten Heilpflanzen der Antike und eine Verwandte der Agave, wobei sie botanisch eher den Spargelgewächsen, Lilien oder eben Kakteen zuzuordnen ist. Konsumiert wird häufig der wohlschmeckende Saft der Pflanze. Im 17. Jahrhundert fand sie den Weg nach Europa und damit in die Kehlen der meist übersättigten, von Sodbrennen geplagten Schnellesser.

Für die Bar allerdings ist ein ganz anderer Bestandteil von Bedeutung; Das sogenannte Aloin. Dies wird im Harz, dem Latex, unter der Blattoberfläche gebildet und ist eines der stärksten Bitterstoffe welche die Natur hervorbringt. Es hat in der Naturmedizin des Altertums als Abführmittel fragwürdigen Ruhm erreicht, sollte allerdings wohl dosiert sein.
Das Aloin findet seinen Weg an die Bar über die klassischen Bitterliköre oder Magenbitter oder Amaro. Aloin ist frei von störenden pflanzlichen und blumigen Begleitnoten wie sie zum Beispiel im Enzian oder Chinarinde vorkommen, die auch als Lieferanten für Bitterstoffe gelten. An reiner Bitterkeit ist Aloin kaum zu übertreffen. Interessanterweise schmecken aber nicht alle Menschen diesen Bitterstoff auch so extrem. Nur Menschen mit einer speziellen genetischen Disposition nehmen Aloin als extrem Bitter war. Den meisten Nachtschwärmern jedoch schmeckt der Amaro aber ausgesprochen gut.
Als Extrakt kann es auch in der modernen Bar für unterschiedlichste Infusionen, Mazeraten und Ansätzen genutzt werden.

Bittere Zutaten bringen dem Drink ein volleres und komplexeres Geschmacksprofil.
Bitter ist eines unserer wichtigsten Geschmacksempfindungen und wird sehr direkt von der Zunge an unser Gehirn weiter gegeben, durchaus auch als primärer Schutz vor der Aufnahme von Giften. Die Überraschung jedoch kann kaum Größer sein, da man Aloin nicht riechen kann. Am Ende zählt aber auch hier die Dosierung, welche es perfekt oder auch ungenießbar macht.

Aber auch das aus der Aloe austretende Gel hat sich schon bei der Behandlung von Wunden oft bezahlt gemacht.
Das Aloe Vera Gel ist ein Ergebnis von Fotosynthese und der perfekten Anpassung an ihre Umgebung; Ursprünglich im Norden Afrikas beheimatet, hat sich die Aloe Vera recht schnell mit ca. 500 Unterarten über den Globus verbreitet. Wie bei anderen Sukkulenten speichern die Pflanzen Wasser in Form dieses Gels in Ihren Blättern. Zur Extraktion des Saftes aus dem Blattinneren bedient man sich feiner Filter um das Aloin und dessen dunkle Farbe zu entfernen. Durch diese Technik ist der Saft wohl auch erst wohlschmeckend und auch verträglicher.
Man denke an Abführende Eigenschaften....:-)

Auch hier zeigt sich erneut welche Wunder und Kostbarkeiten die Natur für uns bereit hält.

Bleibt also neugierig!

Cheers
Peter Schütte