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Die Gewürznelke - Botanicals next Step

Unser Thema Heuuuuuteeee:

Die Gewürznelke, oder "syzygium aromaticum"

Sie gehört zur Familie der Myrtengewächse oder "Mytaceae". Die Nelke ist weder eine Frucht noch ein Samen oder Teil der Rinde. Vielmehr ist sie eine fest verschlossene Blüte des Nelkenbaumes aus Indonesien, genauer von den Gewürzinseln Ternate, Tidore, Bacan, Makin und den Maluku Inseln. Seit ca. 2300 Jahren wurde sie von dort durch arabische Kaufleute in Richtung Asien und Europa verkauft. Es gab schon fast Kriege um dieses begehrte exotische Gewürz zwischen den damaligen See- und Handelsmächten Portugal, Großbritannien, Spanien und Holland. Die Holländer fällten sogar den gesamten Baumbestand außerhalb ihrer eigenen Territorien, um die Verbreitung zu verhindern. Doch findige französische und britische Händler konnten einige Samen, unter Einsatz ihres Lebens, entführen und zu ihren eigenen Kolonien nach Indien, Malaysia und Sri Lanka verschiffen. Leider führte das aber auch zur Auslöschung der botanischen Diversität dieser Art. Die nun einzig verbliebenen wilden, ursprünglichen Arten enthalten kein Eugenol mehr. Doch genau dies ist der eigentliche Stoff der Begierde und verantwortlich für den Geschmack sowie Geruch der modernen Nelke. Der/Dem ein oder anderen ist der Nelkenextrakt aufgrund seiner betäubenden und schmerzstillenden Wirkung als Anästhetikum beim Zahnarzt wohl noch in Erinnerung.

Aber nun zum eigentlichen Sinn der Nelke für uns Barmenschen und Mixologen am Puls der Zeit: Sie kann uns wunderbar als Katalysator in Speisen und vor allem in Getränken dienlich sein. In wohl feiner Dosierung kann es Aromen wie Vanille verstärken oder Zitrusfrüchten eine unerreichte Vielschichtigkeit entlocken. Der Baum selbst ist recht ergiebig, da die Ernte, welche händisch erfolgt, bis zu 8 Mal pro Saison abgeschlossen sein muss und das bevor die Blüten sich rosa verfärben und die Fermentation einsetzt. Am Ende erhält man ca. 4,5 kg pro Baum/Jahr an frischen Nelken. Die besten Sorten sind hier "Zanzibar", "Siputih" mit den stärksten Blüten, und "Sikotok". Achtet beim Einkauf auf frische Ware! Gerne wird billiger Ersatz aus Blättern, Stängeln, Zweigen und Rinde beigemischt. Auch aus ihnen kann man das Eugenol erhalten. Für die Bar empfehle ich einen Sirup aus Nelken herzustellen, da er das Aroma gut bindet und recht lange haltbar bleibt; die Farbe lässt sich entziehen. Oder ihr holt euch in der Apotheke schon fertigen Sirup. Diesen kann man dann trefflich einem Vanillesirup zusetzen. Als Zutat in einem Orgeat Sirup oder Falernum leistet die Gewürznelke euch auch tolle Dienste, um am Ende in einem perfekt balanciertem Mai Tai zu glänzen. Auch in Pünschen oder Punches mit Jamaica oder Überseerum sollte Nelke nicht fehlen.

Aber beachtet bitte, dass die Menge wohl dosiert sein sollte, da auch dieser Stoff in hohen Konzentrationen adurchaus gefährlich sein kann. Abgesehen davon schmeckt der Drink dann auch wieder nach Zahnarzt!

Also, viel Spaß beim Ausprobieren und Mixen dieser wahrhaft betörenden "Droge".

Bleibt neugierig,

Euer Peet