Direkt zum Inhalt

Finnischer Roggenwhisky - „Die nackte Wahrheit“

Das die Idee, finnischen Roggenwhisky zu produzieren, in der Sauna entstand, ist ja bereits bekannt. Aber wie kam es eigentlich dazu, dass es ausgerechnet Roggen sein musste? Fangen wir ganz von vorn an: Einer der Jungs brachte eine Flasche Rittenhouse Rye von einer Londoner Whiskymesse mit, um seinen Freunden einmal Roggenwhisky zu zeigen. In Finnland ist Alkohol staatlich und man bekommt schlichtweg nicht immer alles, was man möchte. Es gab zum Beispiel 14 Jahre lang keinen Tequila in Finnland, weil der Zuständige im Import einfach keinen mochte. So war auch Roggenwhisky kein großes Thema in Finnland und wurde eher stiefmütterlich behandelt. Die Flasche Whisky wurde bei einem gemeinsamen Saunaabend verkostet und der Geschmack von Roggen traf auf einen gewohnten Gaumen, denn Roggenbrot ist Hauptnahrungsmittel in Finnland und sehr beliebt. Mit dem Wissen, dass Roggen so ein großes Thema im eigenen Land ist, kam nach dem letzten Schluck aus der Flasche die Idee „wir machen finnischen Roggenwhisky“. Bevor die Geschichte weitergeht, möchte ich kurz aufs Korn eingehen:

Roggen wurde früher als Unkraut angesehen und wächst auf so ziemlich jedem Boden; man unterscheidet zwischen Winter- und Sommerroggen, wobei es im Winter Temperaturen bis minus 25 Grad Celsius aushält. Roggen ist sehr ballaststoffreich und sehr schwer zu verarbeiten; man kann getrost sagen, dass es am schwersten zu destillieren ist. Grund dafür sind mehrere Faktoren, die bei der Produktion für Mehraufwand sorgen. Im Falle der Kyrö Distillery Company sollte ein hundert prozentiger Roggenwhisky entstehen und so wurde auf Roggenmalz gesetzt. Glücklicherweise gibt es Mälzereien, die das Roggenmalz für Kyrö herstellen, denn Roggen keimt unregelmäßig aus und das ist der erste schwierige Faktor unserer Getreidediva. Im Inneren befinden sich Pentosane, sogenannte Schleimstoffe; diese Ballaststoffe speichern das Dreifache ihres eigenen Gewichtes an Wasser und sondern gleichzeitig eine gallertartige Masse ab. Das ist beim Brotbacken super, aber wir wollen das Brot ja trinken und somit ist die Weiterverarbeitung mit dem Roggenkleber nicht mehr so leicht fortzuführen. Aber genug von den negativen Fakten unserer Nutzpflanze. Roggen hat destilliert eine wundervolle leichte Süße und auch die leichte Schärfe beim Abgang ist ein Genuss. Der größte Vorteil ist aber meiner Meinung nach der sehr geringe Ethanolgeruch beim Verkosten von Roggendestillaten.

 

Nun kommen wir wieder zurück zur Story; drei Jungs sind schon mal mit der Idee geschwängert, den ersten finnischen Roggenwhisky zu produzieren, stellt sich nur noch die Frage, wer das macht und vor allem wo? Der erste Weg führte die Jungs nach Isokyrö, hier hat einer der drei seine Wurzeln und super Ortskenntnisse. Der erste Ort für die Destille sollte die Scheune der Eltern sein; mit voller Euphorie ging es in die Scheune hinein und auch direkt wieder raus: Hier konnte man auf keinen Fall destillieren. Nachdem die Herren sich von der Niederlage mit einer Tasse Kaffee erholten, fiel der Blick auf eine alte Käserei, die auf der anderen Seite des Flusses lag. Das sah schonmal besser aus als eine alte Scheune und hier gab es auch genug Platz. Die über hundert Jahre alte Käserei stand schon 10 Jahre leer und wurde als Garage für alte Autos genutzt. Eine Käserei ist natürlich perfekt zum Destillieren, es gibt Reiferäume, in denen früher der Käse reifte und so gut wie alles ist gefliest. Somit stand es fest: die Käserei wird zur Destille umgebaut. Damit war die „Wo?“-Frage geklärt. Die Antwort auf die Frage „wer destilliert das Ganze“ bekamen die Herren aber schon vorher. Ein alter Freund, der bekannt war, super gutes Bier zu brauen, wurde angerufen und gefragt, ob er auch Whisky brennen könne. Dieser fragte kurzerhand Google und antwortete selbstbewusst: „Ja, das bekomme ich hin!“ Die ersten Experimente erfolgten dann in der Garage seines Vaters, während sich seine Eltern im Urlaub befanden. Hier wurde in einer Schubkarre Roggenmalz mit einer Mühle (bestehend aus einer Bohrmaschine mit einem angeklebten Mühlstein) geschrotet und dann in einem hundert Liter Fass fermentiert. Die Maische brachten die Jungs in eine 300km entfernte Brauerei und destillierten dort ihren ersten New Make. Nun gibt es einen New Make, den es vorher noch nie gegeben hatte, sodass es schwer war zu wissen, ob das Destillat gut war oder nicht; zwar gefiel es den Jungs, aber sie waren keine Profis, sodass die Jungs mit ihrem New Make nach England zur Whiskymesse reisten. Mit einem Flachmann voller New Make und zwei Gläsern bewaffnet, gingen sie nun von Stand zu Stand, um die Produzenten nach ihrer Meinung zu fragen, getrost nach dem Motto „ihr habt echt guten Whisky, probiert mal den hier“. Nachdem der Head Distiller von Buffalo Trace sagte, dass er das Produkt überragend fände, bekamen die Roggenfreunde den ersehnten Ritterschlag. Voller Energie ging es zurück nach Finnland, wo der fünfte im Bunde mit ins Spiel kam. Die Bande war komplett, die Idee stand fest, Roggen und nichts außer Roggen schallte es durch die Käserei, die finanziellen Mittel wurden zusammengetragen und die Verträge wurden aufgelegt. Endlich, nach zwei Jahren harter Planung und Arbeit floss der erste Tropfen Rye Whisky aus der Ullrich Kothe Brennblase im schönen Isokyrö.

„IN RYE WE TRUST“